Soziale Arbeit agiert in einer spätmodernen Risikogesellschaft, in der sich nationale und globale Krisendynamiken, demographische, sozial‑ökologische sowie digitale Transformationsprozesse, Fachkräftemangel und institutionelle Prekarisierung überlagern. Die sozialstaatliche Infrastruktur droht zu erodieren, während Fachkräfte in der Praxis mit permanenten Unsicherheiten, Ambivalenzen und widersprüchlichen Erwartungen umgehen müssen. Diese Konstellationen markieren eine strukturelle Zunahme von Ungewissheit und nicht intendierten Nebenfolgen, auf die professionelle Sozialarbeitspraxis nur begrenzt mit etablierten Handlungsmustern reagieren kann. Zugleich lässt sich beobachten, dass heterogene Wissens‑ und Handlungslogiken (ethisch, ökonomisch, verwaltungsförmig, sozialpolitisch) in einem dauerhaften Konflikt um Deutungshoheit stehen und damit die Handlungsspielräume der Sozialen Arbeit mitprägen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Begriff der Resilienz in der Sozialen Arbeit kontinuierlich an Bedeutung, bleibt jedoch theoretisch und normativ ambivalent. Einerseits steht Resilienz für die Fähigkeit von Individuen, Organisationen und sozialen Systemen, unter krisenhaften Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, Belastungen zu bewältigen und neue Formen des Umgangs mit Unsicherheit zu entwickeln. Andererseits besteht die Gefahr, dass Resilienzdiskurse im Sinne eines neoliberalen Steuerungsdispositivs strukturelle Problemlagen individualisieren, prekäre Verhältnisse normalisieren und Krisen als zu bewältigenden Normalzustand rahmen. Es stellt sich somit die Frage, wie Resilienz als Eigenschaft und Leistung sozialer Systeme (Individuen, Teams, Organisationen, Gemeinwesen) konzeptualisiert werden kann, ohne die Verflechtung von Bewältigung, Widerstand und Transformationspotenzial aus dem Blick zu verlieren.
Ziel des Sammelbandes, den ich gemeinsam mit Julia Hoffmann und Sabrina Naber herausgeben werde, ist es, den oben skizzierten Ambivalenzen des Resilienzbegriffs aus einer sozialarbeiterischen Perspektive nachzugehen und sie für Theorie, Forschung und Praxis produktiv zu wenden. Er wird im Beltz-Verlag erscheinen, voraussichtlich Anfang 2028.
Wir möchten sowohl Autor:innen aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis dafür gewinnen, Beiträge einzureichen und freuen uns, wenn Ihr/Sie uns bis zum 15.09.26 ein Abstract sendet/senden. Weitere Informationen zum Call for Papers finden sich im PDF:
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