Durch den Hinweis des von mir hoch geschätzten Kollegen Menno Baumann auf LinkedIn bin ich auf einen erschütternden Beitrag des MDR zum Einsatz von Sicherheitspersonal in der Kinder- und Jugendhilfe aufmerksam geworden: https://www.mdr.de/tv/programm/einzelstueck-mdr-online-only-272.html
Der Fall Ole zeigt wieder einmal eine dramatische Abwärtsspirale aus Hilfeabbrüchen und Wohnortwechseln, die letzten Endes zu einem aus der Not geborenen und jeglichen Kinderschutz ignorierenden Setting geführt hat. Mit einer offenbar fehlenden konzeptionellen Einbindung der Security in die pädagogisch-psychiatrische Arbeit, fehlenden Schulungen und fehlenden Absprachen zu Verantwortlichkeiten und Grenzen.
Zudem erfordern professionelle Gewaltprävention und professionelles Krisenmanagement maximale Transparenz in der Aufarbeitung von Vorfällen und Notfallinterventionen. Die Verweigerung der Klinik, sich zu den Geschehnissen zu äußern, ist inakzeptabel - ebenso die des beauftragen Jugendhilfeträgers.
Apropos: Gewerbliche Träger mit ökonomischen Interessen (im Beitrag wird von Tagessätzen von 2000-4000 EUR gesprochen!) und zum Teil fragwürdiger Professionalität und Seriösität drängen seit einiger Zeit vermehrt in den Jugendhilfesektor, insbesondere in die Arbeit mit herausfordernden Zielgruppen. Hier braucht es unbedingt sorgfältigere Prüfungen durch die Aufsichtsbehörden - auch dann, wenn die Not zur Unterbringung groß und dringend ist.
Auch ein Hintergrund, weshalb wir diese Entwicklung haben: Nicht wenige etablierte Jugendhilfeträger kapitulieren vor der herausfordernden Zielgruppe der sog. Systemsprenger:innen, weil sie das Risiko öffentlichkeitswirksamer Vorfälle scheuen. V.a. aber, weil sie kein geeignetes Personal finden bzw. keine stabile Teamstruktur aufbauen können. Ich spreche hier aus eigener leidvoller Erfahrung.
Was wir brauchen, und was es zum Glück ja hier und da auch schon gibt: Multiprofessionelle, kooperative, rechtskreisübergreifende Hilfesettings, die rechtzeitig ansetzen und verlässlich halten. Hier kann angestelltes (und nicht fremd beauftragtes) und professionell ausgebildetes Sicherheitspersonal m.E. ein konzeptioneller Baustein sein, aber sicherlich nicht der zentrale.
Weitere Gedanken zum Einsatz von Sicherheitspersonal in der Kinder- und Jugendhilfe habe ich vor drei Jahren in einem Beitrag in der EJ formuliert:
Tetens, J. (2023): Zwischen fachlichem Tabu und
alltäglicher Praxis – Sicherheitskräfte in der Jugendhilfe. Evangelische Jugendhilfe 1/2023, S. 21-26.
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