Viele Fach- und Führungskräfte der Sozialen Arbeit nutzen LLMs wie ChatGPT bereits regelmäßig – vor allem jenseits der direkten Beziehungsarbeit, und häufig ohne klare Leitplanken durch ihre Träger. Das wirft Fragen nach Professionsethik, Organisationskultur und Digitalstrategie auf.
Neuer Fachartikel zu LLM in der Sozialen Arbeit:
- Im Nachrichtendienst des Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. ist gerade ein neuer Beitrag von Annemarie Matthies (Hochschule Merseburg), Jan Sailer (DHBW Stuttgart), Juliane Wahren (Hochschule Bremen) und mir (IU Internationale Hochschule) zu Large Language Models (LLM) in der Sozialen Arbeit erschienen – basierend auf der dritten, nicht-repräsentativen DIGITASA-Erhebung 2025 mit bundesweit 662 Fach- und Führungskräften.
- Die Ergebnisse zeigen: Rund 29% der Befragten nutzen LLMs mindestens einmal pro Woche beruflich, 34% aber auch gar nicht – und je höher die Position in der Organisation, desto häufiger der Einsatz.
Wofür LLMs heute genutzt werden:
- LLMs werden vor allem für Textarbeit eingesetzt: E‑Mails, Konzepte, Dokumentation, Berichte und Recherche – deutlich seltener im unmittelbaren Kontakt mit Adressat:innen.
- Das kann vorsichtig als professionsethisch geleitete Nutzung gelesen werden: Entlastung bei administrativen Routinen, während die Beziehungsgestaltung bewusst primär „analog“ bleibt.
Erwartungen, Wünsche und Rahmenbedingungen:
- 42% der Befragten erwarten starke oder sehr starke Veränderungen ihrer Arbeit durch LLMs, insbesondere diejenigen, die die Tools bereits intensiv nutzen.
- Gleichzeitig fehlen vielerorts klare Strategien: Nur etwa 10% berichten von expliziten Leitfäden zur LLM-Nutzung in ihrer Einrichtung. Und 25 % derjenigen, in deren Einrichtung die Nutzung untersagt ist, geben an, LLMs trotzdem zu nutzen.
Warum das für soziale Organisationen relevant ist:
- Die Ergebnisse legen nahe: Nicht „die KI“ verändert die Soziale Arbeit, sondern das Zusammenspiel von Nutzungserfahrungen, Kompetenzen, formalen Regelungen und professionsethischen Aushandlungen.
- Für Träger und Führungskräfte stellt sich damit die Frage, wie sie LLMs so rahmen, dass sie Professionalität stärken, Teilhabe sichern und Fachkräfte tatsächlich entlasten – statt neue Brüche und ggf. sogar illegale Praktiken zu erzeugen.
Der vollständige Beitrag ist jetzt im Nachrichtendient des Deutschen Vereins in der Ausgabe 01/2026 erschienen (Paywall).
Das Forschungsprojekt DIGITASA wird im Rahmen des Incubator-Programms von der IU Internationale Hochschule gefördert, dafür an dieser Stelle vielen Dank!
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